Menschenrechte
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Was sind Menschenrechte?
Die Idee der Menschenrechte ist, dass jeder Mensch Rechte hat, welche ihm niemand wegnehmen kann und welche unabhängig von den Gesetzen seines Heimatlandes sind. Es haben beispielsweise alle Menschen das Recht auf Bildung, das Recht auf Erholung, sowie das Recht darauf ihre Meinung frei zu äussern.
Menschenrechte gelten für alle Menschen in jeder Gesellschaft. Ihr Ziel ist es, die Menschen gegen ungerechte Eingriffe von Staaten zu schützen, wie zum Beispiel Verhaftung ohne triftigen Grund, Folter oder Vertreibung vom eigenen Wohnort.
Menschenrechte bestehen von Geburt an und dürfen nicht eingeschränkt werden. Sie gelten universell für alle Menschen, egal welche Sprache sie sprechen, welche Hautfarbe sie haben, welcher Religion sie angehören, wie reich oder wie arm sie sind, wie sie denken oder aus welchem Land sie kommen.
Menschenrechte sind unteilbar. Das heisst, man darf sie nicht von einander trennen und muss sie alle zusammen respektieren, als Ganzheit. Es gibt keine Menschenrechte, die wichtiger sind als andere. Alle sind gleichwertig. Das Recht wählen zu dürfen ist beispielsweise nicht wichtiger als das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz. Zudem leiden viele Menschen gleichzeitig unter mehreren Menschenrechtsverletzungen. Wohnt zum Beispiel eine Familie in Armut in einem Elendsviertel, besitzt sie mit grosser Wahrscheinlichkeit keine Adresse, wird folglich ungenügend bis gar nicht informiert und kann somit ihr Recht zu wählen nicht wahrnehmen.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
«Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren» - diesen Grundsatz hielt die internationale Staatengemeinschaft am 10. Dezember 1948 als oberstes Gebot in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) fest. Damit wurde ein grundlegendes ethisches Prinzip auf die oberste rechtliche Ebene gehoben: Alle Menschen haben unabhängig von ihrer Staatenzugehörigkeit, ihrer Religion und ihren Ansichten Rechte, die ihnen von Natur aus zustehen und die ihnen unter keinen Umständen weggenommen werden können. Die Idee dahinter ist, dass alle Menschen gleichwertig sind und jeder Anspruch auf ein würdiges und selbstbestimmtes Leben hat.
Bereits zuvor hatten verschiedene Länder wie die USA und Frankreich gewisse Menschenrechte in ihren Gesetzen verankert. Mit der AEMR wurden diese jedoch erstmals weltweit geschützt. Grund dafür waren die Grausamkeiten des 2.Weltkriegs, die zur Erkenntnis geführt hatten, dass der Schutz der Menschenrechte nicht den einzelnen Staaten überlassen werden durfte.
In der AEMR wurden verschiedene Rechtskategorien festgehalten: Rechte zum Schutz der Person (z.B. Recht auf Leben, Sklavereiverbot, Folterverbot), Freiheitsrechte (z.B. die Versammlungs- Meinungs- und Religionsfreiheit) und schliesslich die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte (z.B. das Recht auf Bildung, Nahrung oder Gesundheit).
Obwohl die AEMR rechtlich nicht verbindlich ist, hat sie ein hohes moralisches Gewicht und ist die Grundlage für alle weiterführenden internationalen, regionalen und nationalen Menschenrechtsabkommen (z.B. die Europäische Menschenrechtskonvention). Heute haben fast alle Staaten zumindest einen Teil der Menschenrechte in ihren Gesetzen verankert und sich damit zu ihrer Einhaltung verpflichtet.
Armut
Video: «Zusammen können wir die Armut überwinden»
Armut ist nicht selbsterklärend, selbst wenn man konkrete Zahlen betrachtet. Im Jahr 2009 hat die Zahl der Armutsbetroffenen auf der Welt die Milliardengrenze überschritten. Etwa 1/6 der Weltbevölkerung leben in Slums – ohne sauberes Wasser, ohne Bildungswesen, ohne sanitäre Einrichtungen. 1,3 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsversorgung. Armut gibt es auch in Europa: 85 Millionen Menschen – dies sind ca. 17 Prozent der EU-Bürgerinnen und -bürger – lebten 2008 unter der Armutsgrenze.
Diese schockierenden Zahlen sagen jedoch noch nicht viel über die Lebensbedingungen von Armutsbetroffenen aus. Schenkt man ihnen Gehör, erfährt man, dass Armut nicht bloss mit Geld zu tun hat. Armut bedeutet auch, sich ausgeschlossen zu fühlen und weder im sozialen, noch im politischen Bereich mitreden und in Entscheidungen miteinbezogen zu werden. Armut heisst auch, mit der ständigen Angst zu leben, dass die Schule oder das eigene Zuhause von einem Bulldozer platt gewalzt werden. Oder dass man selbst als kriminell dargestellt wird, da die Verbrechensrate in den Quartieren hoch ist. Armut bedeutet zudem, sich nicht gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen wehren zu können, da man weder durch Gesetze noch durch Rechte geschützt ist.
In Armut zu leben heisst demnach, kaum eine Zukunftsperspektive zu haben und mit ansehen zu müssen, wie fundamentale Rechte tagtäglich mit Füssen getreten werden, wie beispielsweise das Recht auf ein Leben in Sicherheit, das Recht auf Bildung, Gesundheit, eine angemessene Unterkunft oder das Recht, nicht diskriminiert zu werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Amnesty International Armut bekämpft.
Weitere Informationen über das Engagement von Amnesty International im Kampf gegen die Armut findest du hier.
Folter und Misshandlungen
Folter ist wenn eine Regierung einer Person absichtlich starke körperliche Schmerzen oder seelisches Leiden zufügt oder androht, um eine Aussage zu erpressen, um einzuschüchtern oder zu bestrafen.
Folter sieht man heutzutage oft in Filmen: In einer amerikanischen Serie wird ein Gefangener mit Elektroschocks gequält, damit er Information preisgibt, die Menschenleben retten können. In einem französischen Film wird ein Bandit vom Kommissar geohrfeigt, damit er seine Kumpel verrät. Im Kino und Fernsehen scheint Folter oft nützlich und entschuldbar zu sein. In Realität aber ist Folter ein schweres Verbrechen, das unter keinen Umständen entschuldigt werden kann. Folter ist einer der brutalsten Angriffe auf die menschliche Würde und eines der schlimmsten Verbrechen an den Menschenrechten: Sie zerstört Menschen körperlich wie seelisch. Ausserdem ist Folter nutzlos: Geständnisse, die unter Folter erpresst werden, sind nicht glaubwürdig.
Das Verbot der Folter ist eines der Menschenrechte, die absolut und ohne Ausnahme gelten. Keine Regierung hat das Recht, sich über dieses Verbot hinwegzusetzen. Es gibt Dinge, die kein Mensch einem anderen antun darf, egal wie scheusslich die Verbrechen des Betreffenden oder wie extrem die Umstände auch sein mögen.
Leider ist Folter heute in vielen Ländern weit verbreitet und wird häufig auch im sogenannten „Krieg gegen den Terror“ angewendet. Amnesty International verlangt, dass die Staaten und Regierungen der Folter ein Ende bereiten.
Mehr Informationen über Folter
Mehr Informationen über Folter im « Krieg gegen den Terror » (z.B. in Guantanamo)
Todesstrafe
Die Todesstrafe ist die Tötung eines Menschen als Bestrafung für ein Verbrechen, für das er in einem Prozess für schuldig befunden wurde. Die Schweiz und die meisten anderen Länder haben die Todesstrafe abgeschafft, weil sie eine grausame und unmenschliche Strafe ist.
China, Iran, Irak, Saudi Arabien und die USA sind die fünf Länder, in denen am meisten Menschen hingerichtet werden. Welche Verbrechen mit dem Tod bestraft werden, ist von Land zu Land verschieden. In den USA können nur Mörder mit dem Tod bestraft werden, im Iran aber kann man schon für Ehebruch hingerichtet werden. In anderen Ländern reichen auch „Verbrechen“ wie Homosexualität oder Gotteslästerung. Auch die Hinrichtungsmethoden sind von Land zu Land verschieden. In China werden Verurteilte erschossen oder mit einer Giftspritze getötet. In den USA wird mit Giftspritze oder dem elektrischen Stuhl getötet. Im Iran werden Verurteilte gehängt oder gesteinigt.
Zum Glück gibt es immer weniger Länder, welche die Todesstrafe anwenden: 139 Staaten haben sie bereits abgeschafft! Es sind noch 58 Länder (ungefähr 30%), die die Todesstrafe beibehalten.
Amnesty International setzt sich für die vollständige Abschaffung der Todesstrafe ein: Sie soll weltweit und für alle Verbrechen abgeschafft werden! Die Todesstrafe ist nicht nur unmenschlich und grausam, sie verletzt auch die Menschenrechte. Ausserdem ist sie unnötig, weil Verbrecher auch inhaftiert werden können. Und schliesslich besteht bei der Todesstrafe immer das Risiko, dass Unschuldige hingerichtet werden!
Video: Die Todesstrafe ist zum Verschwinden verurteilt
aktuelle Zahlen und Fakten zur Todesstrafe
Asyl und Migration
Überall auf der Welt müssen zahlreiche Menschen ihr Land verlassen, da sie in ständiger Furcht leben, wegen ihrer politische Meinung, ihrer Religion, ihrer Hautfarbe oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt zu werden oder weil sie in ihrem eigenen Land nicht mehr sicher sind. Sie müssen befürchten, in ihrem Heimatland gefoltert, misshandelt, eingesperrt oder sogar getötet zu werden. Deshalb wollen sie in einem anderen Land Zuflucht finden. Das Recht auf Zuflucht in einem anderen Land nennt sich das Recht auf Asyl. Jeder Mensch besitzt das Recht auf Asyl, es ist ein fundamentales Menschenrecht.
Aber es ist ein Recht, welches nicht einfach wahrzunehmen ist: Um in ein sicheres Land zu gelangen, nehmen Frauen und Männer, oftmals begleitet von Kindern, riskante Wege und Mittel auf sich und müssen meistens auch noch viel dafür bezahlen. Dazu kommt, dass es in den Ankunftsländern für die Flüchtlinge je länger je schwieriger wird, sich anzugewöhnen, in Sicherheit zu leben, eine Arbeit zu finden und die Kinder in die Schule schicken zu können.
Der grösste Teil der Flüchtlinge stammt aus einem Land aus dem Süden der Welt und die Mehrheit dieser Menschen flüchten in ein anderes Land im Süden und nicht nach Europa.
In der Schweiz haben wir ein Gesetz, welches Personen betrifft, die Zuflucht suchen und Asyl beantragen. Amnesty International ist nicht einverstanden mit diesem Gesetz, da es nicht genügend Möglichkeiten bietet für Menschen, die dringend eine Zuflucht benötigen. Ausserdem garantiert das Gesetz nicht, dass Menschen, welche in die Schweiz geflüchtet sind, geschützt werden.
Klicke auf folgenden Link, um mehr über das Recht auf Asyl zu erfahren:
http://www.amnesty.ch/de/themen/asyl-migration
Oder hier
http://youth.amnesty.ch/de/you-ai/2009/asyl-und-migration-1
Frauenrechte
Frauen haben die gleichen Rechte wie Männer und wer sich für die Menschenrechte einsetzt, kämpft auch für die Rechte der Frauen. Dennoch erleiden Frauen aufgrund ihrer spezifischen Rollen in der Gesellschaft oft andere Formen von Menschenrechtsverletzungen als Männer. Frauen sind beispielsweise in vielen Ländern für das Wassertragen verantwortlich. Der Weg zum Brunnen kann sehr weit und gefährlich sein und die Frauen sind dabei Gewalttaten schutzlos ausgeliefert. Mancherorts ist es selbstverständlich, dass eine Frau zu Hause bleibt und sich um Kinder und Haushalt kümmert. Sie geht nicht in die Schule und kann somit ihr Recht auf Bildung nicht wahrnehmen.
Lange Zeit wurden Verletzungen der Rechte von Frauen nicht thematisiert, da sie als private Angelegenheiten galten. Jede Frau hat beispielsweise das Recht selber zu bestimmen, ob und wann sie ein Kind bekommen möchte. In Ländern, in denen Krieg herrscht, werden Frauen vergewaltigt, um die Feinde zu demütigen. All diese Verletzungen zeigen, dass unter manchen Umständen das weibliche Geschlecht als minderwertig betrachtet wird. Die Frauen leiden unter Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Gewalttaten und zwar nur weil sie Frauen sind. Es ist deshalb notwendig die Rechte der Frauen ganz besonders zu verteidigen.
Amnesty International engagiert sich für die Verteidigung der Rechte der Frauen. Insbesondere kämpft Amnesty gegen den Frauenhandel, gegen Gewalt an Frauen und gegen die Müttersterblichkeit. Mehr Informationen findest du unter: http://www.amnesty.ch/de/themen/frauenrechte
Rassimus und Diskriminierung
Diskriminierung ist eine schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte. Sie basiert auf der absurden Idee, dass manche Menschen nicht den gleichen Wert besitzen wie andere, und dass man diesen Menschen die Ausübung ihrer Rechte verwehren kann. Unter diesem Vorwand werden Menschen Opfer von Gewalt, von schwerwiegenden Ungerechtigkeiten und anderen unrechten Taten. Diese abwegige Idee verstösst gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Die Gleichheit aller Menschen unabhängig ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion, ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes ist sogar die Basis der Menschenrechte.
In Europa werden vor allem die Roma, Homosexuelle, Menschen in Armut, MigrantInnen und immer noch Frauen diskriminiert. In manchen Ländern wird dabei das Recht auf Sicherheit, auf Bildung, das Folterverbot oder die Meinungsfreiheit nicht respektiert.
Wie engagiert sich Amnesty konkret gegen Rassismus und Diskriminierung?
Sie führen eine Kampagne gegen die Diskriminierung von Roma in Europa. Mehr Infos
Sie engagieren sich für Homosexuelle in Ländern, in welchen sie schlecht behandelt werden. Mehr Infos
Meinungsfreiheit
«Du hast das Recht, zu denken, was du willst, zu sagen, was du möchtest, ohne dass man es dir verbieten könnte. Du musst deine Gedanken austauschen können mit Menschen in anderen Ländern, ohne Behinderung durch Grenzen.» Dieses Recht ist festgehalten im Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.
Meinungsäusserungfreiheit bedeutet also, dass man sagen darf, was man will und wie man möchte, sowie dass man das Recht hat zu denken, was man will, ohne bedroht oder verfolgt zu werden. Weder Staaten noch andere Personen haben das Recht, uns daran zu hindern.
Dennoch gibt es einige Beschränkungen dieses Rechts und zwar dann, wenn es um den Schutz anderer Rechte geht. Es ist verboten, rassistische Parolen zu verbreiten (es ist beispielsweise verboten «Tod allen Chinesen» in einer Zeitung zu schreiben oder in der Öffentlichkeit zu sagen) oder zum Mord einer Person oder eines ganzen Volkes aufzurufen. Dieser Aufruf würde das Recht auf Leben einer Person oder eines Volkes verletzen.
Mehr zur Meinungsäusserungsfreiheit findet ihr hier

